Familie Josef Wolfromm
Der Bankprokurist Josef Wolfromm wurde am 03.03.1883 in Cronheim geboren. Seine Eltern waren Wolf Wolfromm, der von 1882 bis 1921 in Cronheim als Lehrer unterrichtete, und dessen Frau Gertrud, geb. Frank.
Am 20.03.1911 heiratete er Frieda Marx, geb. am 02.01.1888 in Roth. Sie wuchs jedoch in Gunzenhausen auf, da ihr Vater Moses Marx ab 1894 Hauptlehrer an der jüdischen Volksschule der Stadt war.
Frieda eröffnete als staatlich geprüfte Handarbeitslehrerin 1908 eine Handarbeitsschule, was sie in der örtlichen Tageszeitung Altmühl-Bote inserierte.
Siehe Text rechts Quelle: Stadtarchiv Gunzenhausen
Josef und Frieda Wolfromm © Stadtarchiv Gunzenhausen
Josef Wolfromm war Prokurist im Bankhaus seines Onkels Wilhelm Frank, dem Bruder seiner Mutter.
Die junge Familie wohnte über der Bank, in der Nürnberger Straße 5.
Sie hatten zwei Kinder.
| Herbert * 21.07.1913 in Gunzenhausen +1976 in Südafrika |
Herbert Wolfromm hat sich schon 1930 nach Nürnberg abgemeldet und ist dann 1936 nach Südafrika ausgewandert. |
| Lisbeth * 20.01.1916 in Gunzenhausen + 1974 in Stroudsburg Pennsylvania, USA ![]() |
Lisbeth Wolfromm ist 1932 nach Nürnberg abgemeldet und am 02.09.1937 wieder zurück in Gunzenhausen. Am 20.09.1938 kann sie nach New York auswandern. Dort heiratet sie Tom Breslauer, einen Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau. Das Ehepaar hat zwei Söhne: James * Februar 1947 Larry * Juni 1950 Das Bild von Lisbeth sandte uns Tom Breslauer. |
Bisher war im Stadtarchiv vermerkt, dass Frieda Wolfromm in das KZ Dachau verschleppt worden und dort verschollen sei. Ihr Mann Josef sei nach Amerika ausgewandert.
2007 erhielten wir einen Brief von Tom Breslauer, dem Mann von Lisbeth Wolfromm. Darin teilte er uns folgende Informationen mit.
Meine Schwiegermutter war nicht im Konzentrationslager, aber mein Schwiegervater war im KZ Dachau zur selben Zeit wie ich. Er war in Gunzenhausen festgenommen worden und ich in Offenbach.
Nach seiner Befreiung lebte das Ehepaar Wolfromm in England, bis sie in die USA auswandern konnten.
Meine Frau bekam ein Affidavid von der Familie, wo sie Kindermädchen war, so dass Ihre Eltern auswandern konnten. In England arbeitete meine Schwiegermutter als Dienstmädchen, bis sie nach Amerika auswandern konnten.
In New York haben beide in einer Fabrik gearbeitet, bis nach ein paar Jahren Josef Wolfromm eine Stellung als Buchhalter bekam. Frieda hat bis sie 65 Jahre alt war in der Fabrik gearbeitet.
Josef Wolfromm starb in New York City im Juni 1977, seine Frau Frieda im Februar 1980.
© Diese drei Bilder erhielten wir ebenfalls von Tom Breslauer.
Er berichtete uns aus seinem Leben:
Ich wurde am 22. Oktober 1916 in Hamburg geboren, sechs Wochen nachdem mein Vater im Ersten Weltkrieg in der Schlacht an der Somme gefallen war.
Meine ganze Familie ist in Konzentrationslagern ums Leben gekommen. Meine Mutter wurde im Dezember 1941 in Riga umgebracht.
2005 war ich auf Einladung der Stadt in Hamburg, wo vor unserem ehemaligen Haus eine Gedenktafel eingeweiht wurde.
Seit 18 Jahren halte ich überall in den USA Schülern Vorträge über mein Leben im Dritten Reich und habe in dieser Zeit mehr als 7000 Briefe von den Jugendlichen erhalten.
Das Bild zeigt Tom Breslauer mit seiner zweiten Frau Camille.

