Synagoge
Bereits im 13. Jahrhundert sollen Juden in Gunzenhausen gelebt haben. Ende des 15. Jahrhunderts wird sogar eine ‚große‘ und sehr angesehene jüdische Gemeinde in Gunzenhausen erwähnt. Das würde erklären, warum in dieser Zeit hier eine berühmte Jeschiwa existiert hat, an der es 1481 zu einem Treffen der fünf angesehensten Rabbiner im Reich gekommen ist. Einer davon war Eisik Stein, der Leiter dieser Talmudschule gewesen ist.
Doch eine Judenschul, wie man im Mittelalter eine Synagoge umgangssprachlich bezeichnet hat, wird erstmals 1583 erwähnt. Sie stand in der Waagstraße 1 bis etwa zum Jahr 1700, da ist ihr Abbruch dokumentiert.
1718 wird nicht weit davon entfernt, in der Auergasse 3, der Bau einer neuen Judenschul begonnen. Um 1834 muss diese Synagoge renoviert werden. Im Jahr 1880 wird sie abgerissen, weil sie offensichtlich zu klein geworden war.
1882/1883 wurde die letzte Gunzenhäuser Synagoge gebaut. Geplant von dem Fürther Baumeister Evora stand sie gegenüber vom Schächterhaus. Sie galt als die modernste und prächtigste Synagoge Frankens.
Die Einweihung war am 19. Oktober 1883. Distriktrabbiner Aron Bär Grünbaum aus Ansbach schloss seine Predigt mit den Worten:
"Auch dieses Haus, das als herrliches Baudenkmal der hiesigen Stadt zur Zierde, und unserer Gemeinde zur Ehre gereicht,
wird dann erst mit seinen Kuppeln hinausragen, wenn die Lehre: Ein Gott und eine Menschheit
bei allen Besuchern zu Fleisch und Blut geworden ist, wenn das Hauptgebot:
Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen wie Dich selbst, oder wie andere den Worten die Deutung geben:
Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen, denn jeder ist wie Du, jeder ist ein Gebilde Gottes,
als die Grundlehre unserer Religion von allen erkannt wird, und wenn diese Grundlehre den Wegweiser für das ganze Leben bildet."
Doch leider musste die israelitische Kultusgemeinde ihr Gotteshaus schon am 8. November 1938, einen Tag vor der Reichskristallnacht, für 8000 RM an die Stadt Gunzenhausen 'verkaufen'.
Am Tag nach der Reichskristallnacht, also am 10. November 1938 sollte sie von der SA niedergebrannt werden, wie so viele Synagogen in Deutschland. Doch der Leiter der Gunzenhäuser Feuerwehr verweigerte den Befehl mit der Begründung, dass das Feuer auf die nahe stehenden Nachbarhäuser übergreifen könnte. Es wird jedoch vermutet, dass die Stadt dagegen war, denn schließlich handelte es sich jetzt um ihren Besitz.
Also begnügte man sich eine Woche später mit dem ‚Fällen’ der Kuppeln. Dabei sollte ganz Gunzenhausen Zeuge sein und viele folgten dem Aufruf, der am 15. November im Altmühl-Boten veröffentlicht worden war.
Am 17. November um die Mittagszeit fanden sich tatsächlich viele Bürger ein, um das Spektakel mitzuerleben. Bürgermeister Appler sprach zu den Anwesenden. Er wies ganz richtig auf die Bedeutung des Vorganges für die Stadt hin und auf die Denkwürdigkeit der Stunde. Sicherlich meinte er dies in einem etwas anderen Sinn, als wir es heute verstehen.
Wie der Altmühl-Bote berichtete, brachten "starke Zimmermannsfäuste die Kuppeln um halb zwei Uhr zum Sturz."
Anfang November 1938 sollen noch 64 jüdische Bürger in Gunzenhausen gelebt haben. Doch unmittelbar nach dem Pogrom begann sich die Gemeinde vollständig aufzulösen, v.a. da fast alle ihre Häuser verwüstet und die antisemitischen Hetzreden unerträglich wurden.
Nur noch wenige jüdische Mitbürger wurden daher Zeugen dieses blasphemischen Aktes.
Ein Teil der kostbaren Ritualgegenstände ist schon vorher geraubt worden bzw. konnte noch aus der Synagoge gerettet werden. Darunter befand sich u.a. ein Silberschild der Heiligen Bruderschaft von 1770.
Größtenteils dürften sich diese Gegenstände noch heute im jüdischen Museum in Fürth befinden.
Faye Dottheim Brooks (Burgstallstraße 1) schrieb uns aus New York dazu :
Wir haben einen Brief vom Direktor des Jüdischen Museums Franken erhalten, in dem es heißt, dass sich in seiner Sammlung ein Gegenstand befindet, der meinem Großvater während der Kristallnacht gestohlen worden ist, und dass man nach direkten Nachkommen von Sigmund Dottenheimer sucht. Bei dem Gegenstand handelt es sich um ein Thora-Schild. …
Ein Thora-Schild ist ein jüdisches Ritualobjekt, oft aus Silber gefertigt und an einer Kette befestigt. Er wird über die Thora gelegt oder gehängt.
Bernhard Purin, der Direktor des jüd. Museums Franken, kümmerte sich darum, dass das kostbare Objekt der Familie Dottenheimer zurück gegeben wurde. Die Familie hat es großzügigerweise dem Museum Gunzenhausen für einige Zeit als Ausstellungsobjekt überlassen. Heute ist es bayernweit als Leihgabe bei verschiedenen Ausstellungen zu sehen.
Im Januar 1939 wurde Gunzenhausen für judenfrei erklärt.
Nach dem Krieg hat die IRSO die Synagoge sowie das Gelände zum Verkauf angeboten.
Der Unternehmer Theodor Loos erwarb sie und nutzte sie nach einem Umbau als Fabrikationshalle.
In den Jahren 2001-2002 haben Patienten des Therapiezentrums im Schloss Cronheim ein Modell der Synagoge von Gunzenhausen für das Stadtmuseum angefertigt.
Zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht thematisierte 2008 eine Sonderausstellung die letzten Monate der jüdischen Gemeinde und der Synagoge.
Modell der Synagoge
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